ZUGFeRD 2.3 und 3.0: Worin liegt der Unterschied?
ZUGFeRD hat seit seiner Einführung 2014 mehrere Versionssprünge hinter sich. Version 2.3 war über Jahre der De-facto-Standard für deutsche Hybrid-Rechnungen. Version 3.0 wurde Ende 2024 veröffentlicht und bringt strukturelle Änderungen, die für Entwickler und Buchhalter gleichermaßen relevant sind.
Der wichtigste Unterschied: ZUGFeRD 3.0 richtet sich vollständig nach der Factur-X-Spezifikation aus, die gemeinsam vom Forum FeRD (Deutschland) und FNFE-MPE (Frankreich) gepflegt wird. Das bedeutet eine einheitliche XML-Grammatik für deutsch-französischen Rechnungsaustausch ohne Konvertierungsaufwand.
Was sich technisch geändert hat
Profilstruktur überarbeitet
ZUGFeRD 2.3 bot die Profile MINIMUM, BASIC WL, BASIC, EN 16931 und EXTENDED. Version 3.0 behält diese Struktur bei, ergänzt aber das Profil XRECHNUNG, das eine vollständige Konformität mit der deutschen XRechnung-Spezifikation 3.0 gewährleistet. Das ermöglicht erstmals ein einziges Dateiformat für B2B- und B2G-Rechnungen.
XML-Namensraum aktualisiert
Der Namensraum für das eingebettete XML wechselt von urn:un:unece:uncefact:data:standard:CrossIndustryInvoice:100 (gleich in 2.x und 3.0) zu aktualisierten Schemadefinitionen. Bestehende Systeme, die den Namensraum zur Erkennung nutzen, müssen angepasst werden.
PDF/A-Konformität präzisiert
ZUGFeRD 3.0 verlangt PDF/A-3 als Containerdatei — das war zwar schon in 2.x der Standard, aber die Validierungsanforderungen wurden präzisiert. Insbesondere die XMP-Metadaten müssen jetzt den Factur-X-Namensraum korrekt deklarieren.
Neues Pflichtfeld: SellerOrderReferencedDocument
Bei Rechnungen mit Bestellbezug ist in bestimmten Profilen die Bestellreferenz jetzt verpflichtend. Systeme, die Bestellnummern bisher nur optional mitführen, müssen ihren Datenfluss anpassen.
Rückwärtskompatibilität: Was funktioniert, was nicht
ZUGFeRD 3.0 ist mit 2.x im Profil EN 16931 weitgehend kompatibel. Empfänger-Systeme, die ZUGFeRD 2.x einlesen können, sollten 3.0-Dateien im gleichen Profil verarbeiten können — sofern sie auf die Versionsnummer im XMP-Header reagieren.
Vorsicht bei diesen Szenarien:
- XRECHNUNG-Profil: Nur 3.0, kein Äquivalent in 2.x
- EXTENDED-Felder: Einige Feldnamen haben sich zwischen 2.3 und 3.0 leicht geändert
- Strenge Validierung: Systeme mit strikter Schema-Validierung lehnen 3.0-Dateien ab, wenn sie nur 2.x-Schemas kennen
Müssen Sie jetzt migrieren?
Nein — noch nicht. ZUGFeRD 2.1 bis 2.3 erfüllen EN 16931 und sind steuerrechtlich zulässig. Es gibt keinen gesetzlichen Zwang, auf 3.0 zu wechseln.
Empfohlen wird die Migration aus praktischen Gründen:
- 3.0 ist die Weiterentwicklungslinie — 2.x wird langfristig eingestellt
- Das XRECHNUNG-Profil in 3.0 ermöglicht ein einheitliches Format für alle Rechnungsarten
- Neue Tools und Bibliotheken fokussieren ihre Entwicklung auf 3.0
Für Systeme, die ZUGFeRD mithilfe der Mustang-Bibliothek (Java) oder Billentis-Tools generieren, ist ein Versionsupdate der Bibliothek oft alles, was nötig ist.
ZUGFeRD und die E-Rechnungspflicht
Die E-Rechnungspflicht nach § 14 UStG (gültig seit 01.01.2025) akzeptiert ZUGFeRD 2.1+ und 3.0 gleichwertig, solange das Profil EN 16931 oder höher gewählt wird. MINIMUM und BASIC WL sind für den Vorsteuerabzug nicht ausreichend — sie enthalten zu wenige Pflichtfelder.
Mehr zur E-Rechnungspflicht lesen Sie in unserem ausführlichen Leitfaden.
Weiterführende Ressourcen
- FeRD-Spezifikation ZUGFeRD 3.0 — offizielle Dokumentation
- Mustang-Bibliothek für Java/.NET — Open-Source-Implementierung
- MicroSenorit Agency Portal — generiert ZUGFeRD 3.0 direkt im Browser